Archive for Oktober, 2007

Ein Blick ins Musik-Geschäft: Infos, Tatsachen und Aussichten & was die Piratenpartei und ein Elektronischer Reporter damit zu tun haben

Gerrit van Aaken geht in seinem Weblog praegnanz.de (Beitrag) auf aktuelle Ereignisse ein. Der Künstler Prince verteilt sein Album “Planet Earth” per Zeitungsbeilage und die einzigen die zahlen müssen, war in diesem Fall die Zeitung. Laut BBC (via Golem) wird das Album in Großbritannien nie in den Verkauf kommen und gegen die Blogger, die das Album online gestellt haben, wird auch nicht vorgegangen. Zumindest in Großbritannien wird das Album nicht verkauft, aber in den USA und Deutschland wird es in die Läden kommen.

Trent Reznor kündigt gleich seiner Plattenfirma und vertreibt sein Album “Y34RZ3R0R3MIX3D” allein. Radiohead dagegen lässt seine Kunden den Preis für sein Album “In Rainbows” bestimmen. Die Webseite sieht ein bisschen gewöhnungsbedürftig aus, aber das Konzept scheint gut zu funktionieren. Die Meldung, dass Madonna ihre Plattenfirma gegen einen Konzertveranstalter eintauscht, geht fast unter.

Aktuell boomen Alternativen zu Plattenfirmen. Und aus einem einfachen Grund: Plattenfirmen sollen Künstler bekannt machen und für den Vertrieb ihrer Musik sorgen. Es geht dabei um “MUSIK” und nicht um “CDs” und “DVDs”. Das schließt alternative Vertriebswege wie das Internet nicht aus; auch wenn manche Plattenfirmen auf diesem Auge geschlafen haben. Aber und das ist der springende Punkt: Man brauch keine Plattenfirma, an die man gebunden ist, um bekannt zu werden oder zu bleiben. Für beides ist das Internet das ideale Medium. Katastrophen wie der 11. September haben gezeigt, wie schnell das Internet reagieren kann. Zeitungen mussten nämlich auf Weblogs als Quellen ausweichen, weil die eigenen Reporter nicht schnell genug am Ort des Geschehens sein konnten.

Einmal ins Internet gestellt, verbreitet sich gute Musik von alleine! Spätestens LastFM & Co bringen das Zielpublikum Hörer und die Musik zusammen!

Um überhaupt die Größenordnungen zu verstehen mit denen der sogenannte Schneeballeffekt arbeitet, muss man das Ganze nur schnell mal durchrechnen. Geht man von einem bisher unbekannten Künstler aus, der gute Musik auf seiner Homepage zum Runterladen anbietet und geht davon aus, dass jeweils an 3 Stellen im Internet die Musik in einem Text aufgegriffen wird:

  1. Reaktionen auf die Musik: 3
  2. Reaktionen auf die Musik: 9
  3. Reaktionen auf die Musik: 27
  4. Reaktionen auf die Musik: 81
  5. Reaktionen auf die Musik: 243
  6. Reaktionen auf die Musik: 729
  7. Reaktionen auf die Musik: 2.187
  8. Reaktionen auf die Musik: 6.561
  9. Reaktionen auf die Musik: 19.683
  10. Reaktionen auf die Musik: 59.049

Die Realität wird sich nie an mathematische Regeln halten, aber es ist ja nicht festgelegt, wie lange es dauert bis man die nächste Reihe erreicht hat. Mit steigender Zahl steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit das größere Webseiten oder Medien die Nachricht aufgreifen; ab diesem Punkt explodiert die Anzahl der Reaktionen förmlich. Suchmaschinen wie Google und die gute alte Zeit verbreiten gute Musik ganz gut; aber ohne Einsatz des Künstlers selbst geschieht wenig.

Zu der Überschrift passt auch die Nachricht, dass EMI durch die DRM-Befreiung und den höheren Bitraten, mehr Einnahmen bekommt. Die Plattenfirmen haben nun die Chance ihre Daseinsberechtigung neu zu erkämpfen. Bleiben sie bei den alten Modellen werden sie sich selbst kaputt machen, denn bei dem Pink-Floyd-Klassiker “Dark Side of the Moon” stiegen die Einnahmen nach der DRM-Befreiung um sagenhafte 350%! via wirhabenbezahlt.de

Noch ein Thema, das ich anschneiden möchte: Die Piratenpartei Deutschland, die für moderne Themen wie das Internet und den digitalen Wandel einsetzt, “setzt sich gezielt für eine Reform des Urheberrechts ein, um den Tausch von urheberrechtlich geschützten Dateien im privaten Bereich zu legalisieren“.

Die Piratenpartei wurde vom “Elektrischen Reporter” in seiner 39. Ausgabe Jens Seipenbusch über die Piratenpartei interviewt. Sehr interessantes Interview! Macht vor allem Hoffnung, wenn ich daran denke, wie Politiker mit Internet & Co umgehen; siehe dazu die Reaktionen zu dem Interview. heise online stößt auf unwissende Politiker, der Joschka hatte 2000 noch keine Computer im Büro und Mitte des Jahres 2007 weiß Brigitte Zypries nicht, was ein Browser ist [Video: Kinder fragen Politiker nach dem Internet bei Sevenload]. Jetzt glaube ich, dass ich die Anekdote, dass manche Politiker Sekretärinnen für ihre E-Mails einsetzen, ruhig ohne Quellenangabe hier mit veröffentlichen kann. Nach dieser Recherche ist alles denkbar.


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Der gläserne Terrorverdächtige

[Telepolis, 15.09.07] Der 11. September 2001 hat vor allem in den USA die Bürger sensibilisiert, sodass sie sich eine Menge “Anti-Terror-Gesetze” über sich ergehen lassen. Einfacher halber bekommen Terrorverdächtige keinen Gerichtsprozess mehr, weil sie eben Terrorverdächtige sind und verdächtig sind nur die, die etwas Illegales tuen? Genau so denken wohl einige Politiker in den USA und auch bei uns in Deutschland treibt der Wille nach immer mehr Überwachung immer verrücktere Blüten; siehe dazu Schäuble und Anti-Terror-Gesetze.

Dass die ganzen Vorsichtsmaßnahmen auch nach hinten losgehen können und mit welcher Wucht das geschehen kann, planen Politiker gar nicht erst ein. Telepolis berichtete am 15. September 2007 über das Schicksal von Hasan Elahi, der durch eine Denuziation Opfer des Überwachungsaparates wurde. Er hatte einen Lagerraum nach den Anschlägen am 12. September gekündigt. Der Vermieter berichtete der Polizei prompt “von einem Araber, der Sprengkörper besitzt und am 12. September gelohen ist”. Spätestens die vielen Flugmeilen, die er wegen Kunstausstellungen und Festivals zurück legen musst, machten ihn für das FBI zu einem Terrorverdächtigen.

Ein detailliert geführte Kalender rettete ihn vermutlich, denn trotz des Kalenders zogen sich die Verhöre über Monate hinweg und ein 3-stündiger Lügendetektor-Test wurde 9-mal wiederholt.

Boomerang-Effekt

Seit Dezember 2003 ist seine Webseite Tracking Transcience online und ermöglicht allen Interessierten einen Einblick in sein Privatleben: Er dokumentiert alles was er isst und tut und ein GPS-Peilsender gibt seine aktuellen Aufenthaltsort preis. Das Internet eignet sich hervorragend zum Überwachen. So finden sich unter den Besuchern Computer des Pentagons, der CIA, des FBI und dem Weißen Haus. Hochkarätige Versammlung also, die sich da auf der Seite einfindet.

Das erinnert einen doch sehr daran, dass manche Firmen anonym versuchen bestimmte Wikipedia-Beiträge zu manipulieren. Der Wikiscanner macht es nun einfacher derlei Manipulationen aufzudecken.


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